Archiv für Oktober 2010

Trickreichheit

Ich bin reich. reicher.
Allerdings, kann ich durch Schneidern eines Rockes reich werden. Nämlich dann, wenn die kleinen, aus dem Ärmel geschüttelten Kniffe durch den Managenvorhang lupfen. Es ergab sich so, dass ich einen vorerst beliebigen Stück Stoff, von dem wir allerhand im Tagescenter haben (über Jahre hinweg angehäuft, unmerklich reduziert, da kein Client genug Ergeiz für etwas geistige Abwechslung verspührt), mit Hilfe von der älteren Dame und deren wirklich flinken Handgriffen, die wie gesagt teilweise sehr bemerkenswert waren, weil wir zudem an einer alten Singer-Nähmaschine mit Fußbetrieb arbeiteten, recht schnell etwas Annehmbares nach einigen Stunden über der Stuhllehne hängen lassen konnte.

Erlaubt mir, mir guten Tee zu wünschen. Mir geht der gute Kräuter- und Gewürztee aus, den ich mir noch aus Laden meines Vertauens von zu Hause mitbrachte.

Genau wie der Halloween-tipp für arme Schlucker, pardon, EFDler: Für weißen Teint, nehme zarte Creme und Babypopopuder.

Hoppalla…

… Da dacht ich, ich mach ihnen eine Freude, meinen Eltern, wenn ich ihnen offenbare, sie würden zu Großeltern. Aber nein. Gut, am Telefon kommt auch nicht wirklich das Flair rüber. In meinem Bauch nistet jetzt Lambliase und ich hab diesen Schmarotzer durchzufüttern. No Chance, Bübchen, ich bin eine Rabenmutter und vertreibe dich wurmigen Dracula mit lecker Knoblauch.

Folgender beispielhafter Dialog ereignet sich des öfteren Morgends mit einer Patientin mit Schizophrenie:

Sie tritt durch die quietschene Tür ein: „Ceau Anne, wie gehts?!“
Ich: „Bine, danke A. , und dir?“
Sie, ohne zu zögern, sich den Bauch auf ihre Weise reibend: „Hunger. thia.“ (sie versucht sich mir immerhin mit einfachen Worten verständlich zu machen) und sie lacht verächtlich. Darauf folgt logisch der Auswurf: „Ceausescu, Basescu!“ und sie macht eine abfällige Handbewegung. Dann zeigt sie sie mit der zur Pistole geformten Hand an den Kopf und scheint ihre Augen etwas weiter aus deren Höhlen zu drücken. Abermals wirbelt sie mit der rechten Hand, oftmals eine Zigarette zwischen zwei Fingern steckend, und ruft dann versponnen grinsend: „Germania,… Romania!“, was vermutlich einen Kontrast darstellen soll.

Wenn diese Auftritte doch traurigen Hintergrund in vielerlei Farbe haben, ich liebe diese Vorstellungen.

Hab hier noch ein Foto gefunden, von vor einer Woche, dem Crepes-UNO-Abend

Rüber nach Cluj- Napoca

Ich sollte erstmal auflösen, was mit dem Wurm bzw den Würmchen geschah.

Folgendes Massaker: Ein gewisses Gypsy-Dorf bedroht mit einer in ihren Ausmaßen noch nicht abzuschätzenden Bandwurmplage die Kleinstadt einzunehmen, und das fast unbemerkt. Nur die 9 Freunde, stark vereint unter den Fittichen der Fundatia Sfintii Trei Ierarhi Oradea, bemerkten den Haustierschmuggel schon in seinen Anfangszügen. Die drei Mädchen, welche in Rhontau, dem Zigeuner-Dorf fröhlich und bis zur Erschöpfung arbeiten, fühlten Bewegungen in der Bauchgegend, die nicht von ihnen gesteuert waren, so fragten sie sich, was sie wohl in einem Fall bettlägrig machte für eine Woche, und in den andern beiden, was sie plötzlich zu solch Appetit anfeuert. Sie machten sich widerwillig ans Werk, und am Ende sprach das Begleitpapier der Stuhlprobe: positiv. ~ Ungemein belustigt waren wir alle, muss ich zugeben. Zwar planten wir alle gleich für Freitag einen arbeitsfreien ein, um uns ebenfalls testen zu lassen, schlossen aber auf das Vorkommen beziehungsweise auf die jeweilige Anzahl der Bastarde Wetten ab, dichteten Lieder und freuten uns für die drei mit ihren neuen Schoßhündchen. Das hieß für mich, einen ungewollten freien Tag ohne die Mentalen („oh meine Babes, meine kleinen Puschel, meine Lausbuben und …. “ „Anne, it´s kind of you but enough“) einlegen und dann schnellstens mal aus der Stadt entkommen, denn es wird mir teilweise zu stickig hier. Das Wochenende wurde schon vor einigen Tagen wieder für vogelfrei erklärt, das Gruppenfeeling-Wochenende verschoben bis in zwei Wochen, wenn wir im Project vollzählich sein dürften, nachdem der Spanier zurückgekehrt, und die letzten ihr kräftezehrendes aber beziehungsfreudiges Predeal-Ankommensseminar hinter sich gebracht haben.
Ungeplant spührte ich plötzlich zwei Ärmel unterschiedlichen Ursprungs wärmend an meinen Seiten, und das bedeutete, um klar und deutlich und ehrlich zu werden: Meine Füße hatten mich nicht in einen Bus verfrachtet, sondern in den erstbesten PKW, der so ansprechend eine Traube von Stammtrampern um sich geschaart hatte. An alle Markenkenner, nein, ich kann leider die Automarke nicht mehr aus meinem bildlichen Gedächtnis rekonstruieren, aber hhhekrrhhhm, das is net vordergründig… 20 vor 2. Freitag. Mein Mittag: ein paar Löffel Joghurt.
Mein Kopf schlackert erst von einer Seite zur andern, denn ich nutze die Zeit für Schlaf. Dann fesselt mich den Rest der Fahrt das rumänische Hinterland, märchenhaft in kontrastreiches rosu und verde getaucht. Diese Art von Landschaft besticht mich mit dieser mir noch nicht untergekommenen Kombination der Landschaftskomponenten. Trotz des Dunstes, der sich aus den zahlreichen Schornsteinen zu einem ungemütlichen Schleier formiert und sich unübersehbar in einer bestimmten Schicht zwischen den rundgelutschten Hügeln verfängt…

Aus Müdigkeit meiner lieben Gastgeberin Antonia brachten wir es NUR zu einem Süßigkeiteneinkauf im nächsten SUPERmarkt und Petersilienkauf auf dem Basar, währenddessen die Cluj-Luna sich Antonia scheinbar zum ersten Mal von ihrer phantastischen Seite zeigte, wir liefen sozialistisch geformte Straßen steil hinauf und schlackerten mit prallen Plastetüte zurück zur 8er-WG, um einen total deutschen Pastaauflauf in den alten Ofen schieben zu können. Einfach zusammehocken, nach 30 Minuten Entscheidungsphase dann mal mit Gemüseschnippeln zu beginnen, und nicht in Hast eine pralle Mahlzeit zu ner festgelegten Zeit gekonnt zu servieren, das isses, was befreit. Uhr schrieb etwa 00:00 und ich ließ mich zu einem Verdauungsspaziergang überreden, ich hatte im Gefühl, ich bekäme ein einschneidendes Erlebnis um die Ohren gefleddert, und so traute ich mich mit raus in die winterkalte Luft. Dunkle am Hang liegende Gassen, die mich nicht nur einmal an Bristol erinnerten, ungesehene Tretminen, ein in schauriges Licht gehüllter Asphaltsportplatz… und als einzige Krönung: Dieser mächtige Friedhof. Noch nie hab ich das so gesehen: am Hang gelegen, und wächterhaft hoch über der Stadt. Kein Baum. Einzig zwei benachbarte Trauerweiden. Die hochgewachsenen weißen Grabkreuze von einer Seite minimal durch Straßenbeleuchtung beschienen, aber vielmehr silhouettenbildend durch die sich vor uns in ganzer Bandbreite zerfließende Lichtermasse de maskierten, anonymen Hochhausviertels.
Was für ein Glück: die Kamera war nicht zückbereit.
Eine rote Kerze brannte.
Und ich habe wieder einen neuen Lieblingsplatz dazugewonnen. Einer unter einigen, wie z. B. einem bestimmten Aussichtssitzpunkt in der Sächsischen Schweiz.
Was ich sehr begrüßte, war die viele Zeit die ich für mich hatte, obwohl ein Besuch normalerweise von mir andere Seiten fordert: Lesen, schreiben & ausschlafen. Ungewohnt.
Eigentlich kam es mir permanent so vor, als würde ich voll in den Alltag von Antonia eindringen, ungelegen sein … pure Einbildung. Die Taufe von zwei Romajungen war interessant mitzuerleben, im Hinblick auf die orthodoxe Zeremonie, die der Pastor abhielt, und der quirligen Art von dem einen Täufling, sich schlafend zu stellen, die nassen Augen der Taufpatin, und die kleine Feier zu Haus bei den Beiden, Klassikmusik tönt von der TV-Mattscheibe.
Danach erkundigte ich mit meiner Camera für den guten ganzen frühen Abend die Stadt. Traf einen deutschsprechenden Traditionsrestaurantbesitzer. Ohne dass es mich mehr gross wunderte, hoerte ich von einem deutschen Kulturzentrum, und als Kroenung, dass man sogar einige Studiengaenge hier in deutscher Sprache gut absolvieren koenne. Das hat Oradea nicht zu bieten, obwohl man es auch eine Uni besitzt, genau wie es nicht diese sofort in Cluj spuehrbare Atmosphaere verbreitet, das hier Bewegung ist, und Menschen es lieben, in Cafes gemuetlich zusammenzusitzen. Leider erscheint uns allen Oradea in dieser Hinsicht eher schlapp daherzukommen, mit seinen unspaektakulaeren Medizin- und Sozialpaedagogikstudenten.

Zurück, hatten die Armenier, die in der WG wohnen, ihr letztes Abendessen serviert, sie würden am Montag nach einigen Monaten wieder ausgeflogen sein, ihr EVS beendet haben. Zu zweit, eisten Antonia und ich uns los, wollten vorerst zu einer Abschiedsfeier eines Bekannten, bevor wir dann hätten zu der Verabschiedung der Armenier ziehen wollen, was nie umgesetzt wurde. Mit Trommelkurs gelockt, trafen wir zu seinem Improvisations Konzert seiner Band in der alten Industriehalle im gigantischen Clujer Industrieareal ein. Noch beim Bekanntmachen mit all den jungen sprühenden Gesichtern auf verschnittenen Schöpfen gehörig zu ungezwungenen Körpern, wurde ich nebenbei von der Probenmusik beseelt. Das Konzert verwandelte sich nach den ersten 2 h zu einem Mitmach- und Austasuchorchester, ich versuchte mich (nach einem guten Schluck rumänischem Weingepunscheirgendwas) am Saxophon, mein erstes, buchstäblich atemberaubendes Mal. Kein Stress, kein Ende. Der Club im Untergeschoss tut seit zwei Wochen seinen Dienst an der Stadtbevölkerung.

Ich hatte ein wunderbares Bett, Früstück, mit… man mag es nicht glauben, nach alle den unerfolgreichen Gängen nach Vollkornbrot … Pumpernickel. Und als zweites Frühstück, einen spendierten Vanilleshake in einem rundrum gelungenen Studentencafé.

Bis ich mich aufmachte, durch die halbe Stadt zum Autogara, dem Busbahnhof zu eilen. Etwas von Freiheit, vom Gefühl der Unabhängigkeit auf der Leben eigentlich basieren soll, empfinde ich bei solchen Orientierungsläufen ohne Karte durch unbekannte Städte, und mit 5 Euro in der Tasche, die exakt dem Ticketwert entsprechen.

Heut ist der Wurm drin…

… im wahrsten Sinne des Wortes.

Hab ne kleine 1-LEI-Dose für den Test. Es ist den Spass um des Ernstes Willen absolut wert.

Die Fahrkartenkontrolleure erwischten mich heute ohne Fahrkarte. Aber es war ein netter unter ihnen ;) … stell dich auf dummdeutsch, du legst das Handwerk.
Eine Herzensangelegenheit: Erinnert euch, hab mal eine Alte vom Center erwähnt, die brummend auf meine Kommunikationsversuche erwidert, sie könne mich nicht verstehen. Sie schenkte mir heute eine Kiwi. Gleich als ich kam.
Nachmittags drei Stunden Sitzung zum Brust-Krebs-Awareness-Projekt. Positiv.

Morgen mach ich mich als Einzelbestreiter Wellenreiter auf in den wilden Osten. Seriously. Es wird Cluj Napoca, die als Studentenhochburg weithin als verwegen bekannte Stadt. Der Bus wird mich in 3h und einer viertel dorthin fliegen. Zu Antonia, eine Kölnerin, Mitbestreiterin gegen die deutsche Nörgel-Bewegung. EFD macht es möglich.

Ahoi

Bunt sind schoohon die Wälder

Bine.
Foarte bine! So würd ich meinen Einfall beschreiben, den ich heut morgen zwangsläufig bekam, als ich durch den netten Zitadellenpark spazierte. Zwei Parks liegen auf meinem Arbeitsweg, einen darf ich von der Straßenbahn aus betrachten, den anderen passieren. Für einen besonderen Anlass, oder Zweck hab ich mir diesen ersten morgendlichen Umweg vorgenommen gehabt, und heute dachte ich: Setzen wir die Reihe der ungewohnten Vorkommnisse am Morgen fort (Ich schlief auf des Sofas Federn der anderen WG, da am Vorabend zu müde und lies aus Unmut das Frühstück ausfallen, ziemlich untypisch für mich Erdnussbutterbrotmonsterbacke.
Meine Schützlinge, wie alt sie auch sein mögen, sollen doch heut mal raus, und sich richtig den Herbst bewusst machen, indem sie bunte Frunze sammeln gehn. .. Blätter mein ich natürlich. Vom Regen der Nacht nasse Blätter, die in der Kachelofenwärme den typisch einmummelnden Herbstgeruch verstömten. Genau die. Der kleinen Truppe versuchte ich zu verklickern, welche Art von Prachtstücken später tatsächlich von mir zum Benutzen akkreditiert werden würden. Ich meinte: Haide! Tu Foarte Frumos frunze. Dute! – in schlechtester Grammatik. … Und als wir mit einer vollen Box entclorophyllter Blätter voller Stolz ankamen, gingen wir ans Werk, sie abzutupfen (Für den ein oder anderen nicht ganz einfach, so viel Feingefühl zu zeigen, denn zu manchen Symptomen gehört halt auch eine gewisse unsensible Ader). Die eigentliche Kunst waren die bunten Papierblätter, auf denen, durchgepauscht mit Wachsstiften, die Maserungen verschiedenster Blattformen zum Vorschein kamen. Die Idee überzeugte. Ich war angetan; freute mich, ihnen ein Stück meiner Kindheitsbastelerfahrung weitergegeben zu haben. Wichtig, aus solch einfachen Dingen für die Interessierten ein Erlebnis zu machen. Fotos von Erwachsenen, die im Blätterschnee tollen, sind entstanden, wie auch ein Turm zu pressender Exemplare.
Morgen erklärt mir Sebi, der Psychologe, wie einzig eine regelmäßige Tablette einen Menschen davon abhält, sich größer als Gott zu fühlen. Dieses pharmazeutische Wunder bezeichnete ich heute als „la Folie“, der Wahnsinn, als ichs mir auf der Zunge zergehen lies.

Zu gestern: Nachdem wir den ganzen Vormittag verschwendeten mit dem Warten auf das Signal einiger Ärzte, die wir im Hospital zu treffen hatten, Brezeln aßen im SOnnenschein vorm MCDo, durchs einzige Kaufhaus der Stadt schlenderten, stiegen wir durch etwas schäbige Krankenhausflure, zum Beratungsraum, der am Ende mit abgenutzter, produktiv- muffiger Luft wieder im Zweisein mit seiner Zentralheizung allein gelassen werden würde. Th. Wir als 4 Freiwillige plus Mentor planen eine Brustkrebs-Bewusstseins-Kampagne und ein Benefiz-Volleyball-Turnier und möchten stehts (und gestern zum ersten Mal) Absprache halten mit der Krebs-Assoziation der Stadt. Dies in Person eine taffe Frau. Die mit dem Vorschlag, wir könnten mit dem Geld vor Ort eine Hotline, Pardon Healthline für kostenlose Infomationen über alles was die Krankheit betrifft einrichten und paar Fachleute ausbilden lassen, voll ins Schwarze traf. Ich für meinen Teil war begeistert von der voraussichtlichen Anwendung unserer Spendeneinnahmen.