Observieren & Renovieren

Nicht jeder hat den Luxus, von einer Zentralheizung zu profitieren, wie es bei den Plattenmenschen, wie wir es sind, der Fall ist. So thront ein alter Kachelofen im „Wohnzimmer“ des Tagescenters. Morgends wird er [seit 2 Tagen erst] angeschmissen. Es sollte den Patienten leicht von der Hand gehn… aber – tragischerweise – verstehen sich nicht mal die alten Hasen darauf, trockenes Holz im riesen Garagenspeicher zu erspähen… denn sie wollen nicht, oder sind zu faul, oder verlangen einfach unausgesprochen, dass Herr Psychoanalztik&Exekutive sie dazu auffordert, ihre Augäpfel zu bewegen. Und aus der leichten Handlung entsteht ein Gezetere, das mich teilweise ungläubig hin- und herwirft, da ich durch deren Mimik und Gestik nur die Hälfte verstehe. Es schickt mich nicht, es bringt mich schmerzhaft zum Schmunzeln.
Ich mache einer Alten häufig Komplimente. So ergibt es sich, mein Rumänisch an ihr auszutesten. Leider rummort sie meist ungläubig mit ihrer rauen Stimme und lässt übersetzen, dass sie mich zwar mag, aber nicht versteht. Sie hat Probleme mit den Ohren. Sie hat Probleme mit ihrem Mann, der beider Personalausweise nicht verloren hat, was sie weiss, ihn aber dafür verantwortlich macht. Sie erklärt mir aufgewühlt, wie es passiert sein koennte. Ich umarme sie für ihre reizenden Versuche.
Kreativität verwirklichen. An der Vorstellungs-Pinnwand heften veraltete Portraits, der Menschen die ein und aus gingen. Das beisst mich förmlich, „Veräderung“ zwingt sich durch meine heißen Synapsenkontakte. Schleppe ich meine Kamera, an deren Kappe gleich eine Sicherungsleine montiert wird. Sobald die Patienteninventur per Fotoaufnahmegerät für mich komplett und perfekt erscheint, werde ich beginnen, mit ihnen das Steckbrett auszuschmuüken. Vorerst wird: „Posse,Posse“ gerufen.
Ofen und Sonne. Ca 16 People… ab um drei wird es langsam stickig, ich öffne zu öffnende Tueren. Da schnappts mich von rücklinks am Arm und Rodika entführt mich nach draussen auf den Bürgersteig. Wenn ichs intuitiv richtig erfasste, sollte ich blind spielen. Wie ein reißender Bach plappert sie mich gluchsend zu, hänkelt mich unter, während ich die Ausmaße des Zentrums von anderen Ecken, und von denen an frischer ersehnter Luft erschiele.
Fuer David, der in Spanien weilt, stelle ich in meinem Kopf Persönlichkeitsübersichten, mit Alltagsbeispielen zusammen. Damit der nicht versinkt, wenn er sich wieder hierher bewegt hat.
Morgen wird uns eine große Chance ereilen. In einer Gruppe von 9 Mann plus Betreuern sind wir eingeladen zu einem Treffen mit denen von Außen. Vermutlich in einer Sporthalle eines Gymnasiums treffen Menschen mit Behinderung, zum Beispiel auch die des Down-Syndrom-Centers, mit Schülern zusammen, und wir biegen und strecken uns bei Ping-Pong und anderem Faxensport. Ich packe meine Tasche und tausche Tuch gegen Sporthose ;P wie ich mich freue, die Verwandelung der Patienten in solch einer Umgebung zu erleben. Alles morgen.