Archiv für November 2010

In den Norden: Baia Mara

Damals, vor vergangener Zeit, da bekam ich Besuch aus Baia Mare.

Sie, und ihre türkisch-deutsche Freiwilligenbude hab ich im Gegenzug vergangenes Wochenende aufgesucht. Den Staub von den Schuhen fegen zu lassen.

Und so war es auch. Eine ganz und gar andere Stadt, wenn man mit meinen Augen schaut. Als Kleinstadt bezeichnet, erschien sie mir ganz groß in ihrer Nettigkeit. Ganz schamlos beweist sie mit der alles breitlatschenden Präsenz an grau-in-grau-Plattenbau-Straßenzügen ihre Silberminenvergangenheit. Sie macht einem nichts vor, im Gegensatz zu Oradea mit seinen Barock- und Sezessionsfassaden, seinen wohlvermischten Dorf- und Blockvierteln. Schlichte und weltgewandte Menschen, vereint in Pubs, Parks, auf den Hügeln ringsum den Ort und mitten in den Ghettos. Ich wurde willkommen geheißen, richtig und ohne Widerede, ohne Fragen, einfach angenommen,mitten in den Freundeskreis, bestehend auch aus Rumänen und anderen EFDlern.

Anschließend sehen Sie, nach einem kurzen Werbeeinschub >>den sie nicht zu entschuldigen haben< <
wie auf Wunsch,
die Fotodokumentation über Baia Mare:
"Der Charme von 1000 Fenstern und ein paar Strangern (Fremden)"

VOR EINIGER ZEIT WARD DER GEDANKE DREIER EURÖPÄERINNEN GEBOREN, IN DIE WELT ZU ZIEHEN, UM EINEM GEWISSEN DRANG ZU FOLGEN, DER NICHT GANZ DEFINIERBAR WAR:

The Romanian Housewifes
http://romanianhousewifes.blogspot.com/

Das kommt dabei zu Stande.
So oder so ähnlich ist es jedem anderen Eüröpäer erlaubt mit nem einfachen EFD-Antrag Putzsche Lust in nem Fernen Land zu machen.
Nutzt die Chance.
Das Programm der EU läuft vorerst nur noch bis 2013.

So läuft das hier. Da man nur Freiwilliger ist, und sowieso. Dürfen die wirklich Bediensteten, die Lieben, sich das herausnehmen: Uns einfach so zwei freie Tage ans Wochenende zu hängen ist nich grad höflich, nun denn, da muss das Beste drauß hervorgehen. Ich nehme mir vor 1. den Sprachunterricht (den ich ohnehin weit voraus bin ;) ) für eine Photographie-Vernissage zu schwänzen, ich werde 2. die Brustkrebs-Assoziation anpunktieren, um dem weiteren Kontakt Knospen zu verleihen und 3. einen Animationsplan mit Natasha aufstellen, der den aus Arad wohl einfliegenden EFD´lern einen straffen Hintern beschert.

Aller Morgen ist offen für Willkür und Intuition. Die angenommene Theatereinladung als Höhepunkt für den „Arbeitstag“ schon auserkoren, war ich nur noch fähig, eine neue Etappe in meinen Rumänischkenntnissen zu begründen, das heißt mit dem ausschweifenen Verbenreportoire um mich zu werfen, mit L. , 8-13 Jahre alt, ein Schlüsselband für meinen unlängst gefrästen Wohnungsschüssel zu knüpfen, was wir dann durch ein wunderbares Mamaliga(Polenta)cu(mit) gulaschähnlichem Ursschleim-Mittag unterbrachen. Dann blieb keine Zeit mehr. Wir wollten einfach allesamt raus in die Stadt, in den Regen strömen, den strömenden. Nur noch den Bruch mit dem normalen neigungsgesteuerten Ablauf eingehen… Plattschnass flätzten wir uns in die bühnensaalwarmen Samtkippsessel, jeder dort, wo er seinen Platz einzunehmen gedachte, und ließen uns vom tatsächlich bunten Tanzprogramm berieseln.

Ich liebte Michael Jackson.

Mit Spa nicht sparen

Premierenfieber herrschte am Donnerstag: Meine Rixe, das Frauenrad, das ich mir zulegte, war wieder bereit, nachdem es einem Rundumcheck unterzogen worden war. Ich hielt es nicht mehr aus, das immer schöner, immer wärmer werdende Wetter ohne meine Unabhängigkeit auf dem Fahrrad verstreichen zu lassen. Währenddessen ich die Service anlief, um auch schändlicherweise einen selbstverursachten Bremsenschaden, der eigentlich so minimal war, zu beheben, fand ich eine Leidenschaft von mir: das Handwerk.
So radele ich nun vergnügt durch die Unweiten der Stadt, erkunde die sozialistischen Ecken und die modernen, wie auch die Dorfviertel. Oh, ich sage euch, es wimmelt hier nur so von potentiellen Photomotiven von heruntergekommen-düster bis ostländisch-märchenhaft. Die fliegen allerdings an mir vorbei, ich versuche sie im Kopf zu behalten, für die Fälle, in denen sich meine Kamera im Gepäck befindet. Diese Massen an Bildern auf einmal, erstaunlich, und erleichtert mich zudem, mir das EFD hier ausgesucht zu haben.

Ich bin gespannt, wann meine richtig großen Reisen losgehen. Denn diese Woche war ich so verlebt irgendwie, ohne noch die Kraft für ein Wochenendtripp aufzubringen. Das lag unter anderem an den unzähligen falschen Ansichten, die ich gegenüber Schizophrenie einerseits, und wirkungsvoller Sozialpädagogik, gemischt mit natürlichem Verständnis, andererseits, ganz sehr aufzuarbeiten habe. Heißt also dranbleiben, fragen und Hinweise abspeichern. Zudem sitzen wir gelegentlich zusammen, um unser Großprojekt, die Brust-Krebs-Bewusstseinskampagnie voranzutreiben, … und ich skypte bis tief in die Nacht. Die Situationen, wo ich mich um Sauberkeit und Ernährung sorgen muss, sind nicht selten, um machen mir klar, was Selbstständigkeit mit sich bringt.
Also mach ich mir nun gemütlich, mit einigen Dagebliebenen ins nahegelegene Baile Felix zum Baden zu fahren. Eines der populärsten Touristenattraktionen sind die heißen Quellen und die darüber errichteten Thermal-Swimmingpools. Für goldbekettete Fusseltieger, die rumänischen Reichen, und deren weibliche Plastikanhängsel. Das Gesichtchen langgezogen. Nicolaus weiß warum. Offenbar Tabakgenuss, und sicherlich von zährenden Versuchen, Geld zu essen. Wobei ich grad nicht empfehlen würde von den rumänischen LEI-Scheine zu naschen, unter Umständen sicherlich schwerer zu verdauen als unsere Papierlappen, denn die Scheinchen hier sind aus Plastik. Wie bezeichnend ;) … sie besitzen ein Fenster für den Durchblick. Obendrein sind sie fälschungssicherer als der Euro. Desshalb geb ich sie so gern aus, und leere mein Konto, weil ich hier 4,26x mehr Masse in der Hand halte.