Archiv für Dezember 2010

Riesel Riesel Riesel

Entschuldigt, aber ich muss eingestehen, dass ich los muss.
„Dort unten“ im Mentalcenter und in der Schule hab ich grad erst mal angefangen, und mich eingearbeitet, ich fühl mich nicht so, als hätte ich schon wirklich angepackt, desshalb – bitte, nichts soll mich aufhalten, so schön wie der Urlaub auch ist – ich muss zurück! hihi

Da heißt es schon wieder Koffer packen!
Nach nicht mal anderthalb Wochen werd ich mich weider mit dem Kleinbus nach Oradea aufmachen, wie gehabt mit einigen Freunden, die, ähnlich der Anreise im September, dieses Jahr Silvester in Rumänien erleben wollen. Über Freital und dessen Eislaufbahn werd ich von meiner Familie nach Dresden chauffiert um irgendwann heut, oder morgen Morgen mit 7 anderen Abendteurern aufs blaue drauflos, Richtung Apuseni-Gebirge zu ziehen.

Randgefüllte, wundervolle Tage sind vergangen, die so dicht gedrängt wie möglich mir die volle Ladung Heimat&Leute gegeben haben. Was ich mitnehmen konnte wurde eingesackt! Eine Kneipenhutze am einen Abend nach obligatorischem Weihnachtskonzert unsres Akkordeonorchesters in der Hetzdorfer Klinik, Weihnachtsmarkt und -Feier mit den Raclettfreudigen Schwedenfreunden, ordentlich Geburtstag hab ich gefeiert von Laura, Jesus & Co. (also Marth, du weißt schon) – vertrauter Ablauf, wie jedes Jahr. Ich konnte derer einige Menschen umarmen, die mir gefehlt haben. Eingige nicht. Ich seh sie wieder. … und an alle die ich treffen konnte: es war wieder so schön, ich war so fröhlich mit euch!Gerodelt, Skigefahren bin ich, ausgiebig genug, um wieder ne Vorstellung zu bekommen, wie sich das im Einzelnen anfühlt.
Gibt es eigentlich ein Schneeschipplied? Nein? Doch, seit heute, denn diese Frevelei kann man sich nicht erlauben, es muss ALLes vertont werden!

.. UIii i jetzt muss ich aber los … >> Bis Bald!!! << denn, wenn wir uns dieses Jahr nicht mehr sehn, Alle Jahre Wieder!!

Und PS: Es findet bei mir ein Umbau statt: Ich verlege meinen poetischen Blog in mein Notizbüchl und lass euch mehr Häppchen zukommen, ich bin nämlich von hier und da angefragt wurden, etwas leichter verständlich, etwas flockiger zu erzählen, so simpel wie der Schnee draußen.
Da kann man sich schonmal bedanken für die Kritik^^

Pause zu Hause

„Ich liebe Kitsch; ich suche Kitsch in meinem Leben“

Diese frohgelockten, verflockten Tage erlauben mir mich flimmernden Schmalzfilmen hinzugeben. Seis auch Hollywood. Wo geht das besser, als in nem Sesseln, der vom Pap himself ausgesessen ist, in einem Zimmer, in dem man blind das Muster der Couch nachzeichnen kann: zu haus.

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Nacht
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Mein Bett erwürgt meinen Schlaf, durch seine überwarme Perfektheit. Gefühlt um 4 nachts liege ich wach, denn folgendes bewegt mich: Ich bin gerade nicht in Romania! Darüber kann ich nicht schlafen.
Da ich im Erzgebirg bin, fällt mir das auf. Trotzdem träume ich auf Englisch, halte ich meinen Kurzschlafrhythmus ein ( der sich durch zeitiges aus dem Bett bequemen und höchster Motivation und grenzenlosem Nachtleben ergab), umreiße Termine zeitlich gröber, schnauze aus dem Affekt nicht-umweltbewusste Passanten an, benutze keinen Zahnputzbecher und trinke ungehemmt Leitungswasser. Und dann bin ich trotzdem hier: in Deutschland.
Ganz ungläubig, aber sich dem beugend, fällt mir nach dem dritten Urlaubstag auf, an dem ich umringt war von wohlbekannten, sich nur wenig Menschen, wie sehr ich das Land am Schwarzen Meer liebgewonnen habe. Nur mit der räumlichen Distanz zum Land, wenn ich mich blind bewegen kann in einem wohlbekannten Einflussbereich, wird meine rumänische Prägung deutlich >> Mein großer Gefährte Rumania, du eröffnest mir eine so viel weitere Sicht, wie ich sie in Deutschland nicht erfahren hätte können. Gebraucht hab ich die ungehaltene Offenherzigkeit; sofortiger Hilfsbereitschaft mit immer griffbereitem Handy an dessen Ende alle nützlichen Bekannten auf den Anruf warten, das Zulassen großer Macken, auch weil ich oftmals anhalte und die so hilflos verfangene, zwischen den Seilen baumelnde Bevölkerung selbst zu betrachten habe (um Lösungsformeln murmelnd, mich wieder des Wegs besinne); unschätzbar das Reiben und Auseinandersetzen mit den wirklich albern vielfältigen Wesensarten, mmh … noja … das beruht nicht nur auf dem Multikulturmix in unsrer WG; verformt hat das Land mich, haltlos. … Ob das auffällt?

Ich muss es wieder sagen: Überwältigung!

Gehe gespannt in die nächsten Tage.
Ein runder Tisch gedeckt mit dem begnadeten Brot der Bäckernation und den Marmeladentypen, die sich keck im Mundwinkel verfangen. Dann lauf ich Ski mit Mutti. Und (… hach ist das aufregend… ) werde zum Weihnachtssingen das Cotta in Entsetzen versetzen

Auf gehts

Gedanken bündeln. Bündel richtet sich auf den Kalender.

Am Morgen erlebte ich das schönste Erlebnis des Morgends. Unterm Bett zog ich meinen mir so lebendig erscheinenden, da so liebevollen Weihnachtkalender hervor. Das Krepppapier war warm. Unter dem hârtie roşu, dem Geschenkpapier mit der 9 fand sich ein Erste-Hilfe-Flick-Set für meine Rixe.
Noch jetzt bin ich überwältigt

Bloß gut, bin ich nicht alleine mit meiner Schwärmerei, nur geteilt ist sie es wert.
Ich schaute zweimal hin, aber ich kannte es schon, ein gewohnter Anblick (begleitet von einem kleidenden Geruch): Ein Mensch mit Kopfbedeckung kramt im Hausabfall. >> Diesmal interessierte mich der Interessengegenstand des Müllmenschen sehr, ungewöhnlicher Platz und… aşa… wenn ihr richtig hinschaut seht ihr die großen Eierverpackungen, halbleer. Die Menschin fand anscheinend vollkommene glückliche Eier, die sie nicht verkommen lassen wollte, knackte sie und füllte sie in eine 2 Liter Plastebierflasche.

Meine zweite Arbeitsstelle

Puh… da ist ja noch was passiert.
Gut einen Monat ist es her, seit ich begann, mich für eine Dorfschule stark zu machen. Ca. 20 Minuten mit dem Bus außerhalb von Oradea liegt das Örtchen Giris, mit einer Bushaltestelle, einem Dorfladen, der Gemeinde, einer Feuerwehr, einem Bürgersaal und der Schule.
Mittwochs und Freitags nehme ich den teilweise schlammigen, zugigen Weg in Kauf …

Seit diesem Jahr allerdings ist die Schülerzahl drastisch gesunken, weil man beschloss, nur zwei Lehrer zu unterhalten, die für die ersten vier Klassen zuständig sind. Religions- und Englischlehrer kommen von außerhalb. Die allen bekannte Qualle Crisis, hier mehr als deutlich, nicht mit Deutschland zu vergleichen, hat ihre Tentakeln überall und unerschöpflich viel Energie, die Tinte wird noch viele entscheidungslastige Blätter schwarz färben. Im Klartext heißt das, 22 statt 16 Kinder dürfen in eine Klasse, und die 5. bis 8. Klasse wird gleichmal in den nächsten Ort verlagert. Die Folgen?: Familien, die sichs leisten können, schicken ihre Kinder in den nächsten Ort mit verhältnismäßig rosigeren Umständen. Unter den Kindern schaut mich ein großer Prozentsatz kugelrunder brauner Zigeuneraugen an; die Lehrer sind froh, wenn sie kommen (dürfen). 2 Klassenräume sind beheizt mit befeuerten Kachelöfen, 1+3 & 2+4 Klasse werden häufig in einem Raum unterrichtet, das Lehrerzimmer hält für Ausweichmanöver her. Lehrer werden zu Multitasking Robotern, versuchen nebenbei Individualbeschäftigung zu geben.

Hoyney, eine der beiden Lehrer, nach 10 Jahren Kinderpause so ins Geschäft wieder eingestiegen, wie mans sich nicht wünschen wöllte. Nicht nur ihre Aufgabe, Sport, Musik und Ökologie zu geben, wozu sie nie ausgebildet wurde, sondern auch, unvermittelt die Verantwortung aufgedrückt zu bekommen für den total unterschiedlichen Kenntnisstand der kleinen Köpfe einen für jeden interessanten, anspruchsgerechten und vielseitigen Unterricht zu geben. Sie war von Anfang an überfordert, hat eine Grisgramsgrimasse entwickelt und ihr Autorität damit aufs Spiel gesetzt.
Und jetzt kommt Viola (Name jetzt geändert) zum Einsatz. Die Britin hilft gemeinsam mit ihrem Mann und deren Wohltätigkeitsverein, wo sie nur kann. Wenn sie nicht gerade versucht, den Unterricht zu hospitieren und nebenbei Hoyney aktiv unterstützt, als Lehrerin den Respekt ihrer Klasse zurückzubekommen, dann trifft sie sich mit dem Bürgermeister, um Innovationsvorschläge anzubringen, das Ehepaar organisiert einen Dorfbrunnen, als auch ein ausrangiertes funktionstüchtiges Feuerwehrgespann importiert aus ihrer Heimat. Oder sie trifft sich mit mir, auch Sonntags, zu einem Gespräch über die Dringlichkeit, Freiwillige für die Schule in Giris zu gewinnen.
Da kann ich nicht nein sagen. Ich höre, wie 9 jährige nicht addieren können, ein 11 jähriger Sitzenbleiber in der 4. Klasse immer noch Seiten mit einzelnen Buchstaben zu beschnörkeln hat, und viele der Spitzbuben und Schelme sich noch nie frei von der Leber weg an Pinsel und Farbe bedienen durften.

Viermal hab ich mit den Kindern schon gepinselt und gespritzt, geschnippelt und geräumt. Sie sind laut, sie wuseln herum. Ich verstehe sie mehr schlecht als recht. Hehe, aber ich kann ihnen Anweisungen geben, darauf hab ich mich vorbereitet.
Vermutlich haben sie schon mehrmals meinen Rat wissen wollen, und ich Depp hab sie nur mit einem Lächeln abspeisen können. Sie sind offenherzig, manche schließen mich sogleich in ihre Arme, ich turne ihnen den Handstand draußen auf dem Flur. Wenn es das wirklich gibt hab ich mehr als drei Schatten.
„Anni“.“ Ana“. Ein verschlucktes „Doamna“ („Frau…“), das gleich mit einem ungläubigen Blick von mir erwidert wird.
„Roxana? Das ist doch nicht nötig, du willst mir helfen? Ok, hol frisches Wasser fürs Pinselglas!“ Und eigentlich denke ich: Danke dir, Aufmerksame, meine ganze Logistik hauts grad schon wieder über den Haufen, wer ist die nächste Klasse?; waren es die mit der Winterlandschaft oder dem Dorfbild?; Sind sie im Lehrerzimmer?; wer organisiert Scheren und Bleistifte?; wo ist die Klingel?

Wenn jemand lustig ist, wir die Schulglocke geläutet. Aber auch nur dann, ansonsten beginnt Hoyney die Stunden gefühlsmäßig.

K.O.

Ein Häppchen Madrid

Irgendwo auf mitten des Pazific wird ein Kreuzfahrtschiff zwei gebrochene Seelen schippern. Ihr Rondevous hatte einen abruppten Abriss erlitten, da am Nachthimmel keine Sterne zu zählen waren. Ein Loch. Eine Naturkatastrophe.
Nein, keine Polen.

Unsre ganze Innenstadt wurde behangen. Brücken. Laternen. Bäume verkitscht. Man munkelt, Laurentius Assoziation (Fundatia Sfintii Trei Ierarhi) ist pleite, nur weil das EFD-Budget in konkurenzwürdiges Gartenglitzerklimbim gesteckt wurde.