Archiv für Januar 2011

Weekend placut

Manchmal sagt man „La revedere“, oder, wie ich gerade von einem alten Mann lernte, der gemeinsam mit mir auf den Schwimmbadeinlass wartete, man sagt „Tai-tai“. Altmodisch und weniger bekannt, vermutlich. Mehr höert man“Ceau“ oder „Pa-pa“.
Jetzt ist Wochenende. Mit der rumänsichen Überhöflichkeit, die ganz formell und immer unter Benutzung des Titels einer Person gebraucht wird, höre ich: „Weekend placut, Domnul! La revedere!“ (Ein schönes Wochenende, der Herr! Auf Wiedersehen!). Hier zeigt sich Rumänisch gerade mal von seiner schnell eingängigen Seite. „Weekend“ – wie im Englischen. Anderes, vor allem die Ausnahmen machen den Rumänisch-Lernenden zu schaffen. Das interessiert mich aber nur am Rande. Ich will verstanden werden. Bediene mich deshalb an der holprigen, aber eindeutigen Sprechweise. Gerade übe ich den Vergleich.

Bin eingeladen aufs Land und mach mich auch gleich auf. Eine längere Geschichte, wie ich dazu kam. Da lasst uns doch die Spannung halten.

Na gut, hier ein Tipp: www.remeteturul.ro Es liegt südlich vom Apuseni-Gebirge, auf dessen wolkenkratzenden Berggraden ich morgen den Schnee aufwerfen werde ….. Endlich mal wieder raus

Hoch hinaus

Es ist nicht gehupft wie gesprungen.
Nicht aller Anfang ist schwer.
So wie unsre Alten einst sungen,
so zwitschern die Jungen nicht mehr.

Es gilt nicht mehr jegliches Sprichwort,
das einst als unfehlbar galt.
So manches erhabene Stichwort
verlor längst Gewicht und Gestalt.

Doch wenn auch Jahrzehnte verrinnen,
ein Grundsatz bleibt unkorrigiert:
Nur der kann die Erde gewinnen,
der Zeit für die Sterne verliert.

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Das zum Thema Sprachforschung, wir wollen hier einfach nicht davon loskommen, die Feinheiten unserer Muttersprachen in ihrer ständigen Gegnüberstellung auseinander zu klamüsern.

VerTrachtetes Land

Knallig, vernarrt in Zierde. Diese Colindasänger (Colinda=Weihnachtslieder=Carols) hab ich während unseres Besuchs im Multiple -Sklerose -Tagescenter in der Vorweihnachtszeit zu deren Feriertag festgehalten. Wir Freiwilligen hatten ganz plötzlich noch einen kleinen Chor gebildet und uns professionel ein paar arienhafte rumänische Lieder angeeignet und sind dort dann auch aufgetreten, neben diesen traditionell gekleideten Chören.

Während einer Schneeballschlacht-Höhlenbesichtigungs-Wanderung am Silvestertag sind wir den Zweien begegnet. Ich vermute so ne Art „Betteln“-Gehen, wie wir früher zu Fasching um die Häuser gezogen sind. Und… ich konnte der antiquen Weste nicht widerstehen

Voorbereitungen zur Brustkrebs-Preventions- Kampagne werden vorangetrieben

Um geschäftig zu werden ist der Sonntag genau der Richtige.

Eine Kampagne macht sich nicht von allein, das Konzept allein bringt noch keine Teilnehmer, freiwillige Helfer und Sponsoren heran. Mit Unterstützung meiner französischen Brustkrebsbewusstseinskampagnenpartnerin konnte ich unserem treuen französischen Mitarbeiter erfolgreich in den Hintern treten.
Nachdem wir in der Zweierdiskussion am Samstag Slogan und Logo gefunden hatten, wollten wir auch ihn an unsren Ideen teilnehmen lassen und machten ein Meeting für den heutigen sonnigen Nachmittag aus, mit den Worten „Wir sind Realisten, leider, kein Gottesdienst für dich heute“. Denn bis zum Tag X und der folgenden Infowoche sinds noch 50 Tage und wir reden in Meetings, die in netten Cafés stattfinden, um den heißen Brei herum.
So entstand der begleitende Flyer heute, trotz einiger nervöser Missverständnisse … wir bemerkten, wie gut wir uns doch fachlich vorbereitet hatten. Für die nächste Zeit hat jeder ein sportliches Programm, an den Vorlieben und Fähigkeiten angelehnt. Präzise und aktiv werden wir endlich, das stimmt mich besser, denn ich ziehe Umsetzung dem ganzen Vorgeplenkelgerede vor!!!
Das Telefonat mit der Medizinstudentin der Uni, Verbindungsglied zu Professoren, ist mein Part morgen, sowohl, als auch das Regelwerk für unseren Crosslauf und das Volleyballturnier. Vielleicht gelingt mir noch ne kleine Planskizze vom Aufbau des Veranstaltungsortes.

Da hart gearbeitet, belohnen wir uns mit ner big Pizzataxipizza, bezahlt von allen Bani (Pfennigen) die wir im Haushalt zusammenkratzen konnten.

Porumb – has been created for dependece. Mais – eine Sucht wurde erfunden

Eine der rumänischen Ressourcen, die auch nach ’90 noch hoch im Kurs steht, ist die Maispflanze mit ihren vielfältigen Verarbeitungsmöglichkeiten.
Als ich letztens Ende Sommer rumtourte, sah ich in den dörflichen Gebieten mickrige Maisfelder in fast jedem Hintergärtchen.
Trostlose Stoppelfelder und furchige Ergdacker Ende November, doch leuchtend gelbe Maiskolben gut verstaut vor Ungetier in käfigartigen Verschlägen unterbrachen von Zeit zu Zeit meinen nebligen Herbstblick.
Dann bin ich wieder in der trauten Stadt und der altägliche Konsum von allem möglichen, was angeboten wird, lässt die letzten Landeindrücke zwangsläufig verblassen. Ich schnurpse diese länglichen Chips, die wie auf der Zunge zergehen, als würde man nichts essen, in Brasov, erinnere ich mich, hatte ich Hunger und kaufte einer dieser geboilten Kolben für 3 LEI einer Kopfbetuchten ab, und ‚Mamaliga‘, in anderen Breiten auch bekannt als Polenta, begegnet mir unablässig – ist ein nicht wegdenkbares Grundnahrungsmittel – auf dem Land, und wird in der Stadt zum Stilessen gepriesen.

Wie letztens im Kino, knallt jetzt der gesalzene Mais in der Mikrowelle – Popcoooorn – wir drei bereiten uns vor auf einen Filmeabend. Ablenkmanöver von einem anstrengenden Samstag, an dem wir aßen, in Flipflops den Frühlingsanfang genossen und Haare frisierten. Mädskram eben

Ich frag mich, was ich noch entdecken werde, das die Leute aus dem Allesprodukt zaubert und vertickt.