Archiv für März 2011

Popeye

Des Nachmittags um 2: Wer schlaegt mich zum Popeye? Die Haende noch braun von Erde hab ich meinen wohlverdienten ersten Kaffee getrunken, nach 3 h Spinat ernten. Nach der Haelfte des Gewaechshausbeetes schien das Gruenzeug zu mir zu sprechen! Oder wars nur das Ungarisch, was mir fortwaehrend fremd in den Ohren liegt? Die zwei Pflueckerinnen waren nicht zu halten, flachsten in Magyar. Ich war froh, als die Sprache in meine Sprache umschlug, Limba Romana, und dann konnte ich die Gelegenheit nutzen und mit den Krautrupfern die Zukunftsform lernen.
Es ist schon ein Kuriosum hier. Kaum ne Woche auf dem Dorf, schon haben sich viele Bekanntschaften angesammelt. Beispielsweise der Spinatgaertner, der mich mit einer Manikuere fuer zerschundene Haende bezahlen will, oder die Radfahrerin, Mutter dreier Kinder, die mir die hiessigen Radwege zeigt. Ein Live-Schlachtangebot war auch schon dabei. Porc – Schwein

Die Kommunikation ist einfach. Die Huerde ist nicht gross fuer mich, Unbekannte spontan anzuhauen, mich auf ihre Quadtour durch die nahen Huegelwelten mitzunehmen. Dadurch bekam ich gleich den optimalen Eindruck; alle maerchenhaften Vorstellungen vom Dasein der Bauern in Transilvanien sind Wirklichkeit. Deutschland vor 150 Jahren. Vermutlich. Von Holzscheune, den typischen Heuhaufen, Pferdepflug und-fuhrwerken auf den Strassen, abgelegenen Gehoeften und betuchten Bunicas, die noch bis ins hohe Alter auf dem Feld arbeiten, zu den wettergegerbten Grossvaetern, die mit dem Reissigbesen die alten Blaetter zusammenfegen, wenn die Samen schliesslich im Felde sind.
Es ist der Knueller fuer mich. Es ist wunderschoen anzusehen. …….
Und weiter gehts mit dem Quad, durch den Fluss, durch den Sumpf, Fuesse hoch.

Rumaenen ziehen nach Deutschland zum Spargelstechen – Mein Weg fuehrt nach Rumaenien zur Spinaternte.

Kann ich PINK besingen?

Ich hab euch ganz sehr auf dem Trockenen schwimmen lassen in letzter Zeit. Die Spannung muss auch schon längst verpufft sein, was wohl noch mit der Pink Campaign ablief.
Aiaiaaarrhh . Da gab es die Party. Aus der am Ende wirklich nur eine gewöhnliche Rumänien-Disse wurde, bei der die Message nicht wirklich rüberkam. Wahrscheinlich, weil eine aus unsrem Team die Féte hat allein planen wollen.

Püh, also ich hab es genossen, ein bisschen die Liebeslieder mitzuschmettern. Alles in allem ein netter Abend, den ich noch mit einer deutschen FSJlerin und ihrem ungarischen Freund in einem anderen Pub rund gemacht hab, nach den rumänischen Volksschrammelkaraokeliedern. Bis Nachts 4 in der Woche. …Wie gewöhnlich das schon ist.
Anschließend kamen zwei Tage voller logistischem Stress und der Ausführung unseres Crosslaufs. So wie vorher ausreichend (aber nicht perfekt) abgesprochen, übernahm jeder seine Rolle, Anthony an der Registrierung der teilnehmenden Renner, ich mit den Tombolapreisen und den Gewinnern, Laurentiu Moderator, Morgane der Freiwilligenkoordinator. Labern, Labern, Rumaenisch, Englisch. Das Gesamtbild schien einen guten Eindruck zu machen, die Staffel-laufenden Schüler waren unglaublich bei der Sache. Trotz einiges Tumults, weniger Spontanteilnehmer und kleiner Fehler, wurde die Erwartung unseres Mentors Laurentiu, der mit der fachlichen Ahnung, zu 90 % erfüllt, dem ich bis jetzt noch nicht richtig Glauben schenken kann (wo er doch uns nichts zutraut). Geschafft, und durch diese Erfahrung reicher, sich voll auf seine Aufgabe konzentriert zu haben, nicht mal eine Ehrenrunde für die Brustkrebskranken gedreht zu haben, fing ich schon wieder an, einzupacken. Den Grad der Anstrengung merkt man erst, wenn sie abfällt. Gemeinsam mit unseren anderen freiwilligen Helfern in der Stammpizzeria. Aber das heißt nichts. Diese Pause wurde uns gerade so gegönnt. Bei strahlendem Wetter haben wir drei im Büro noch Nacharbeiten angestellt, mit großen Selbsteinschätzungen auf den Lippen. Laurentiu indessen, werkelte an der Internetpräsentation des Crosslaufes, was er als Workaholic sicherlich 24 h später, am Sonntag immer noch tat. Er hat so abgenommen, seit wir EFD´ler hier sind. Eindeutig halst er sich zu viel auf. Eine dem entgegenwirkende Entscheidung hat er aber gefasst: für die nächste Periode wird er kein EFD-Projekt für 10 Freiwillige beantragen. Gut für ihn. Sollte er. Schlecht für die Einrichtungen.

Ich sitze gerade noch über meiner eigenen Evaluation. Persönlich. Wenn man über 3 Monate intensiv sich in eine Sache reinhängt, in einem Team zu arbeiten hat, merkt man wo seine Grenzen sind…
Freitag das letzte Treffen. Da übergeben wir sozusagen unsere Vorarbeit, den Staffelstab an Interessenten, die die Selbsthilfegruppe für die von Brustkrebs- betroffenen weiterführen.

Alles in allem, grossartig, eine Sache gemeinsam bis zu Ende gefuehrt zu haben. Ich schmetter ein Ohoho los, und denke dazu: ich nehme doch lieber was in die Hand, anstatt allzeit eine ueberzeugende und standhafte Zunge haben zu muessen.

Familienleben bei Filas

Ich bin ausgezogen. Abgehauen.
Schon eher, jedoch seit Anfang des Jahres lag mir eine Seite der Anne auf den Ohren: Du musst aufs Dorf! Der mir so fruchtig-frisch erscheinende Gedanke ans rumaenische Dorfleben, war ab dem Zeitpunkt fuer mich nicht mehr nur eine Idee, wie die des Friedens auf der Welt.
Wie von Sinnen, endlich an guter Luft zu sein, erstuerme ich seit letzten Donnerstag die Welten jenseits der entfremndenden Staedte. Dann hab ich mir endlich Urlaub genommen -Dorfurlaub (um anschliessend fuer einen Monat noch in ein anderes Dorf naeher zu Oradea zu ziehen). Fuehlbar beginnt eine neue Periode hier fuer mich. Dem zu liebe muss ich mich fuer einige Wochen losmachen von meinem Schizo-Zentrum, was mir weniger Probleme bereitete, da ich die Arbeit dort sehr ausgekostet habe. Dennoch gibt es ein Kloss, wie auch beim unausgesprochenen BussyBussyPaPa in der Schule, wo mir mein Gewissen immer wieder in die Seite boxte und meinte: ‚Hey, wenn du jetzt gehst, gehst du fuer dein Wohlergehen, laesst das Vorankommen deiner elevi (Schueler) dahinsiechen. Eigentlich unverschaemt.‘ Da hat mein Gewissen recht. Ich habe nie Lehrerin werden wollen; Oma meinte immer, ich haette da paar verwendbare Zuege an mir. Aber, niemals. Doch im Moment find ichs aeusserst spannend, mich selbst zu sehen, wie ich mich ohne Blicke links rechts beim Unterricht mit jedem Einzelnen ins Zeug lege. Weil ich eine von wenigen Chancen fuer sie bin. Eine Motivation. Ihre heisse Wissbegierde und Erfolg zu sehen, die andere Motivation. Weil ich vor Ort bin, was Sinnvolles tun moechte, bei dem ich Resultate sehe.
Das Streben nach Resultaten fuehrt mich soweit, dass ich eben raus muss, Arbeit draussen vor der Tuer suchen.
Letzte Woche hab ich das letzte mal meine Rixe, mein Bike, geschwungen, bin im Bazin schwimmen gewesen und in der Studenten-Disse mit Gogogirls. Dann nach Sibiu getrampt,

418 km, 8 1/2 h, mit dem Lieferwagen von Viessmann- Rumaenien.
Chili con Carne fara Carne gebrutzelt. Gemeinsam mit nem Dresdner, den ich im deutschen Literaturcafe traf, die erstickte Mobilitaet der Jugend von heute (:-X) geruegt. Vorschlaege. Natuerlich.


… Der naechste Tag …

brachte mich zum eigentlichen Ziel: Rusciori, ein nahegelegenes Dorf, in der Bergpfanne von Hermannstadt, approx 60 % Zigeuner, eine Freundin wohnt dort wie im Himmel und macht nebenbei Nachmittagsprogramm/Hausaufgabenbetreung fuer die elevi. Ich kam an wie als waere ich wirklich angekommen, altertuemliche Villa,

holzzaunumrahmter Garten, Kirche, Schule nebenan, gewoehnliche und urig-ehrlicheUngenauigkeit … und … Gerueche > > Ossegg letzten Sommer, Flussauen bei Nacht, alpinische Kuhstaelle, DDR-Museum/Dachboden. Zigeunerduft.

Ich bin gleichs ganze Wochenende dageblieben, verwurzelt, auch als alleiniger Hauswaechter.

Hab die Holzvoraete in eine Ordnung gestapelt. Fruehjahrssonne. Holzscheite noch verklebt in Frost.

We sing for PINK!

Nach so einigen tausenden Versuchen, kann ich nun die wirkungsvollsten Worte herausgeben, die es für ein geschäftig überzeugendes Sponsorengespräch innerhalb einer Promotion – Campagnie wie unsere zu gebrauchen weiterzuempfehlen wäre: „Buna Ziua! Pot să întreb ceva? Sunt voluntar, din un grup de voluntari la Oradea și ne cream un Centrul de Informație pentru oameni cu Cancerul Zin. Puteți să vorbiți Inglesa?…“( Guten Tag! Darf ich etwas fragen? Ich bin Voluntar, aus einer Gruppe von Freiwilligen von Oradea und wir bauen zu Zeit ein Informationscenter für Menschen mit Brustkrebs auf. Sprechen sie Englisch?….) So gebrochen spreche ich deshalb, da ein ehrgeizig-lernender Ausländer einfach besser Gehör findet, als der Druchschnittsinnländer. Das macht viel aus, hier. Häufig in den letzten 2 Wochen streifte ich bepackt mit dem lang erkämpften Poster-Flyer-Packet durch die Straßen, anonym, Buisnesswomen, auf Streifzug nach Sponsor-Partner-Teilnehmer -Helfer-Mix, wurde zurückgewiesen, man müsse nach Bukarest schreiben/die Krise/man werde sich melden; mir wurde zugezwinkert – man könne sich Unterstützung gut vorstellen. Alles in allem viele Stunden zu Fuß, doppelte Wege, mannigfache unbeantwortete Anrufe, man wird hingehalten von den Kontaktleuten. Immer wieder zurück zu unserem Büro, wo es keine Absprache mit dem nicht bestehendem Team gibt. Am Ende hat man ein Fünftel der Angesprochenen erreicht mit dem Spektakel. Das ist ein guter Schnitt, wenn man betrachtet, dass ich allein nicht die Quatsch&Schnackbeziehungen in der Stadt besitze wie Laurentiu, unser Mentor, der mit ganz vorn in der Campagnie sitzt. Dieser Mensch ist ein guter und hilfsbereiter Mann. Aber lass ihn nicht auf diese autorisierte Weise in dein Projekt verwickelt sein, wie er es bei uns ist. Einerseits Presse- + TV- + Radiotermine und ein Auto gut und schön. Dennoch: du bist abhängig von ihm. Er „plant“ parallel, Vormittags wenn du auch tätig bist auf Arbeit, hat keinen Anreiz regelmäßige Teambesprechungen zum Verlauf und den Errungenschaften jedes Einzelnen mit dem Wille, Notiz zu nehmen, abzuhalten. Gerade stehts mir bis zum Hals. Heute Abend unsere PinkParty in einem der bekanntesten Clubs, der Vorabend zum eigentlich Event, dem Crosslauf am Samstag (dessen Logistik gerade anfängt, aus den Kinderschuhen zu wachsen).

Im Abendneglischee, werden wir im Club erscheinen, früher als unsere Partnerin, die über die gesamte Organisation der Karaokeparty vor allem in den letzten Tagen nix verlauten ließ. Es ist eine unverschämte Geschichte, somit verständlich: ich platze vor Spannung! Ich will dorthin!

Wir, Morgane und ich, lassen kein Haar an ihr, erwähnt sie uns mit keiner Silbe in ihrer Einführungsrede zu Beginn. Die pinken falschen Perücken, das Umwickeln des Barmanns sind unsere Warm-ups. Ich sag euch: es wird ein voller Erfolg.

Hihi. Klingt echt nach nem Abendteuer. Scuze … ich muss.