Familienleben bei Filas

Ich bin ausgezogen. Abgehauen.
Schon eher, jedoch seit Anfang des Jahres lag mir eine Seite der Anne auf den Ohren: Du musst aufs Dorf! Der mir so fruchtig-frisch erscheinende Gedanke ans rumaenische Dorfleben, war ab dem Zeitpunkt fuer mich nicht mehr nur eine Idee, wie die des Friedens auf der Welt.
Wie von Sinnen, endlich an guter Luft zu sein, erstuerme ich seit letzten Donnerstag die Welten jenseits der entfremndenden Staedte. Dann hab ich mir endlich Urlaub genommen -Dorfurlaub (um anschliessend fuer einen Monat noch in ein anderes Dorf naeher zu Oradea zu ziehen). Fuehlbar beginnt eine neue Periode hier fuer mich. Dem zu liebe muss ich mich fuer einige Wochen losmachen von meinem Schizo-Zentrum, was mir weniger Probleme bereitete, da ich die Arbeit dort sehr ausgekostet habe. Dennoch gibt es ein Kloss, wie auch beim unausgesprochenen BussyBussyPaPa in der Schule, wo mir mein Gewissen immer wieder in die Seite boxte und meinte: ‚Hey, wenn du jetzt gehst, gehst du fuer dein Wohlergehen, laesst das Vorankommen deiner elevi (Schueler) dahinsiechen. Eigentlich unverschaemt.‘ Da hat mein Gewissen recht. Ich habe nie Lehrerin werden wollen; Oma meinte immer, ich haette da paar verwendbare Zuege an mir. Aber, niemals. Doch im Moment find ichs aeusserst spannend, mich selbst zu sehen, wie ich mich ohne Blicke links rechts beim Unterricht mit jedem Einzelnen ins Zeug lege. Weil ich eine von wenigen Chancen fuer sie bin. Eine Motivation. Ihre heisse Wissbegierde und Erfolg zu sehen, die andere Motivation. Weil ich vor Ort bin, was Sinnvolles tun moechte, bei dem ich Resultate sehe.
Das Streben nach Resultaten fuehrt mich soweit, dass ich eben raus muss, Arbeit draussen vor der Tuer suchen.
Letzte Woche hab ich das letzte mal meine Rixe, mein Bike, geschwungen, bin im Bazin schwimmen gewesen und in der Studenten-Disse mit Gogogirls. Dann nach Sibiu getrampt,

418 km, 8 1/2 h, mit dem Lieferwagen von Viessmann- Rumaenien.
Chili con Carne fara Carne gebrutzelt. Gemeinsam mit nem Dresdner, den ich im deutschen Literaturcafe traf, die erstickte Mobilitaet der Jugend von heute (:-X) geruegt. Vorschlaege. Natuerlich.


… Der naechste Tag …

brachte mich zum eigentlichen Ziel: Rusciori, ein nahegelegenes Dorf, in der Bergpfanne von Hermannstadt, approx 60 % Zigeuner, eine Freundin wohnt dort wie im Himmel und macht nebenbei Nachmittagsprogramm/Hausaufgabenbetreung fuer die elevi. Ich kam an wie als waere ich wirklich angekommen, altertuemliche Villa,

holzzaunumrahmter Garten, Kirche, Schule nebenan, gewoehnliche und urig-ehrlicheUngenauigkeit … und … Gerueche > > Ossegg letzten Sommer, Flussauen bei Nacht, alpinische Kuhstaelle, DDR-Museum/Dachboden. Zigeunerduft.

Ich bin gleichs ganze Wochenende dageblieben, verwurzelt, auch als alleiniger Hauswaechter.

Hab die Holzvoraete in eine Ordnung gestapelt. Fruehjahrssonne. Holzscheite noch verklebt in Frost.