Auf den Schmorfeldern von Mitte März beginnt jetzt die natürliche Saat zu treiben. In dieser Jahreszeit geht man sehr tolerant mit Flächenbrand um, er wird, gezielt und geleitet von Hirten, zur Fruchtbarmachung der Böden genutzt. Das macht einen Flickenteppich, bis an die Straßen reichend – war es ein ansehnliches Feuer, hab ich den Wärmedruck im Autobus auf dem Gesicht gespührt.

Unter der Fahne der EU.

Rebhühner peitschen vom Weg.

Ländliche Höfe, dies auch in der Stadt gibt, haben große bunte Fassaden und verzierte Tore. Das macht neugierig. Gut, meine Neugier nicht zu Zügeln hab ich mir eh hinter die Ohren geschrieben. Das schöne ist, man geht einfach vorbei und klopft an die Tür um mit bisschen interessiertem und tagträumerischem Geplänkel etwas vom nahen Leben zu sehen. Mehr noch auf dem Dorf ist für die Leutchen persönlicher Bezug zu den Menschen in ihrem täglichen Umgang so wertvoll, dass sie dich auch als, sagen wir, das Geschenk des Tages behandeln. Wenig Nutzen bringt ihnen das zum Sich-Vereinzeln neigende „AllerWeltsWissen“. Brauche keinem erklären, was ein Bauer in seinem Kopf bewegt. Nicht von den ständigen Existenzgedanken. Vielleicht aber sollte ich erzählen, wie so gut wie jeder ältere Mensch mir von den Kindern in der Großstadt oder Madrid .

Doch recht oft bekomme ich jetzt gesagt, wie anscheinend gut ich Rumänisch spreche. Praktisch kann ich noch nicht mal die Personalpronomen richtig einsetzen, Halbes Jahr und eine neue Sprache? Nayá … ist das demzufolge für mich das Startsignal für Magyar/Ungarisch? Anscheinend! Denn 4 Wochen hab ichs schon ausgehalten inmitten einer Sprache, die von einigen Rumänen als hässlich abgeschoben wird.

Das leitet uns auch gleich in den Boxring. Wem gehört Transsilvannien? Besitzansprüche vers. Abtretungspathos von Seiten Ungarns gegen jetzigen „Landbesitz“ durch Rumänien. In meiner Pension wird dieses Drama zu jeglicher Gelegenheit wunderbar dargelegt.
Mein Gastvater hat von seinem Vater hat er gelernt, das Margarine nur Petrol ist; Speckfett das beste Gemüse ist; scheinbar auch, dass man Arbeit nur an sichtbaren Resultaten erkennen kann. Beispielhaft sorgt er für seine Familie aus, kein Tag an dem nicht 2 Zigeuner zum Arbeiten bestellt, kein Sonntag ruhig ohne Telefonate, heute wurden neue Sonnenkollektoren aufgebaut.

Eine doch erstaunliche Kaufkraft gibt es hier in Rumänien. Shopping-Malls, Praktiker und Juweliere sprießen. Ich habe gehört, nur die 40 % starke Landbevölkerung und der große Rentneranteil würden die Quote drücken. Nah wenn dass nicht mal ein positives Argument für das Frischlings-EU-Land ist.

Die Magnolien stehen angeputzt an der Straße, wartend, dass die Bienenstockpforte aufgesperrt wird.

Da steh ich am Abwasch und stell mir die 9 stündige Zugfahrt am Sonntag vor, die ich zum Mittel- Seminar aufzunehmen hab. Recht belustigt nehm ich wahr, wie ich jetzt schon weiß, mit welch anderen Prioritäten ich dort die gesamten Selbsterfahrungsübungen auf mich wirken lassen werde, weniger klein werde ich sein. Schon jetzt im Stehen weiß ich, auf welch gesetzte Art ich im Demmelzug nach Predeal tuckern werde. Ich hoffe wir sitzen im richtigen Abteil, indem eine fahrende Gypsyband ihre Instrumente zum Spiel auspackt und die mir nun etwas geläufige Landschaft in neuen Farben zeigt; mich die allmähliche Gelassenheit gegenüber rumänischen Eigenheiten nicht ganz einnehmen kann.


2 Antworten auf „“


  1. 1 muddi 10. April 2011 um 20:49 Uhr

    Liebe Anne, nicht, dass Du denkst, mein Interesse an Deinen gegenwärtigen Aktivitäten wäre erloschen! Manches von der Gypsylebensweise solltest Du versuchen, in Deinen Alltag zu retten, aber lass bitte die Dächer ganz! Lieb Grüße, M.

  2. 2 muddi 27. April 2011 um 16:17 Uhr

    Hallo Anne, vielen Dank für Deinen Brief, Antwort ist schon lange in Arbeit, das heißt, da es schon lange in Arbeit ist, kann man ja nur teils von Antwort reden. Bis bald, Du Welt- und Dich-selbst-Entdeckerin, Neli

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