Die Zigeuner

So viele so mystische und nicht klare Worte hörte ich über dieses … Volk (? ) vor meinem Abstecher. Ich malte mir ein Bild von fahrenden Straßenkünstlern, heimatlose Akrobatenfamilien in Zeltwagen, dunkle, teils verhangene Gesichter, bei deren Anblick sich in mir Scheu ausbreitet, provisorische Lehmwellblechdachhütten-Slums in mitten von Stadtgewirr. Klar ausgedrückt hatte ich keinen blassen Schimmer (und bin noch immer umnachtet, wie wir wohl alle bleiben werden, wenn wir versuchen, in Gypsygedanken zu schlüpfen).

Aber vom Anfang.
Aus hoher Missverständniswahrscheinlichkeit mit der italienischen Hauptstadt Rom sieht die Regierung für die Roma offiziell den Namen Ţigan vor. Bestätigt wurde mir das, als mich vor Kurzem ein Streifenpolizist, fellbemützt, danach fragt ob ich einen jungen Ţiganmann und 2-3 Copii (Kinder) gesehen hätte. In meinen Kreisen wird eher von Gypsys gesprochen.
Die Wurzeln des Zigeunervolkes liegen in Indien; das aber ist nicht eindeutig geklärt. Daher die dunkle Haut, Augen, Haare, flatterhaft bunten Kleider, orientgeprägte Musikausdrucksweise. zwischen 500 und 1000 nach Christi Geburt sollen sie in mehreren Wellen als Sklaven aus ihrer ursprünglichen Heimat Richtung Westen verschleppt worden sein, zuerst in das Gebiet des heutigen Irans, später in das Osmanische Reich.
Ihre Fährten, die man über ganz Europa verfolgt, sind Jahrhunderte alt. Die Zigeuner waren da, bevor sich die dominanten, heute ortsfesten Volksgruppen, in Staatsgrenzen einpfärchten. (Sind die Völker gebunden an Orte, zu Regionen zugeteilt, entstehen die heute bekannten Gebietsanspruchskonflikte, ethnische Konflikte, Unabhängigkeitsbestrebungen). Weltweit findet man 12 Mio Sinti und Roma, in Europa verstreut davon 8 Mio.

Tatsächlich sind sie innerhalb Rumäniens größtenteils sesshaft (nicht wie ich glaubte in Planwagen unterwegs), haben einen rumänischen Pass, wenn sie registriert sind, bekommen Minderheitenvergünstigungen (z.B. dürfen Gypsykinder das Schulessen gratis beziehen). Wenn man in Frankreich welche antrifft, heißt es nicht, man trifft Rumänen, denn es ist ein unabhängiges Volk, das überall präsent ist, überall Scherereien macht. Naja, diese Übeltäter werden dann fast ausschließlich Rumänien zugeordnet, und am Ende setzt sich in den Nachrichten-überfüllten Köpfen fest: „ahh ja, Rumänen, das sind doch die Zigeuner, oder zumindest…“ usw. Die typische Geschichte ist: In den italienischen Nachrichten wird von einem Kriminalakt eines Rumänen an einer jungen Italienerin berichtet, wahrheitsgetreu die bösen Gypsys, nicht die Rumänen selbst. Und schon ist der Stereotyp wieder manifestiert. Genau deshalb (auch wegen der Nutzlosigkeit und Faulheit ) sind Gypsys den meisten Rumänen ein Dorn im Auge.

Tatsächlich überall präsent begegnet man ihnen auf fahrenden Motoren, neben klapperdürren Pferden gespannt vor ihren Planwagen ohne Plane, auf der Promenade und dem Basar Löffel vertickende Bubis, paradiesvogelhafte Gypsyfrauen mit Zöpfen stolz die dicke Wampe neben ihrem ungarisch behuteten Mann hertragend, Gypsymädchen neben der Hausmülltonne nach einige Placintaröllchen zwischen Küchenresten und Plastikgewirr kramend.

Wenn ich sie unterrichte, Ovidiu oder Marius, Roxana I oder II oder Ioana oder Natalia, oft sind sie aufmerksamer als die Rumänen, haben einen so scheu wissbedürftigen Welpenblick drauf, diese goldenen Schneidezähne, und diese Lust auf mehr, die aus den braunen Kullern funkelt. Sie sind nicht anders dumm oder intelligent als Rumänen, als der Rest des weißen Europas.

Woher aber kommt das Bani, das Geld, wenn ihre moralische Vorstellung von Arbeit der Lohnarbeit so entgegensteht, von unsren Augen meist als Faulheit angesehen wird? – Quellen gibt’s, auf die kommt man gar nicht! Für etwas Essbares schnell auf die Hand, sammeln Stadtzigeuner verwertungswürdige Lebensmittelreste aus Kontainern. Als Gelderwerb ist das Sammeln von Metallteilen populär. Dafür wird an allen Türen geklopft und erfragt und schon mal an Autos oder Fernwärmerohren abmontiert. Früher häufiger, gehen einige Familien über Generationen einem bestimmten Handwerk nach. Da wäre das Anfertigen von silbernen Dachrinnen(-zierden, womit einige Zigeunerpaläste so kunstvoll verziert sind), Kupferkesseln, Kochlöffel, das Korbflechten, Besenbinden und Holzspalten. Im Sommer streifen Großfamilien in die Wälder und Gebirge, für Kisten voller Pilze, Früchte und Beeren, zur Freude der Importeure, denn wer macht schon diese Sauarbeit?

Um das alles etwas nachvollziehen zu können nun einige Empfehlungen.
Einen Film: „The Time of the Gypsy“ von Kusturica (überwältigte mich gestern Nacht ob der noch nie erwägten Lebensphilosphien), und die Arbeiten von Tony Gatlif
Musik von Gogol Bordello für den Zigeuner-Punk- Fanatiker, und die Filmmusik zu „Gadjo Dilo“ von Adrian Simionescu

Weekend placut

Manchmal sagt man „La revedere“, oder, wie ich gerade von einem alten Mann lernte, der gemeinsam mit mir auf den Schwimmbadeinlass wartete, man sagt „Tai-tai“. Altmodisch und weniger bekannt, vermutlich. Mehr höert man“Ceau“ oder „Pa-pa“.
Jetzt ist Wochenende. Mit der rumänsichen Überhöflichkeit, die ganz formell und immer unter Benutzung des Titels einer Person gebraucht wird, höre ich: „Weekend placut, Domnul! La revedere!“ (Ein schönes Wochenende, der Herr! Auf Wiedersehen!). Hier zeigt sich Rumänisch gerade mal von seiner schnell eingängigen Seite. „Weekend“ – wie im Englischen. Anderes, vor allem die Ausnahmen machen den Rumänisch-Lernenden zu schaffen. Das interessiert mich aber nur am Rande. Ich will verstanden werden. Bediene mich deshalb an der holprigen, aber eindeutigen Sprechweise. Gerade übe ich den Vergleich.

Bin eingeladen aufs Land und mach mich auch gleich auf. Eine längere Geschichte, wie ich dazu kam. Da lasst uns doch die Spannung halten.

Na gut, hier ein Tipp: www.remeteturul.ro Es liegt südlich vom Apuseni-Gebirge, auf dessen wolkenkratzenden Berggraden ich morgen den Schnee aufwerfen werde ….. Endlich mal wieder raus

Hoch hinaus

Es ist nicht gehupft wie gesprungen.
Nicht aller Anfang ist schwer.
So wie unsre Alten einst sungen,
so zwitschern die Jungen nicht mehr.

Es gilt nicht mehr jegliches Sprichwort,
das einst als unfehlbar galt.
So manches erhabene Stichwort
verlor längst Gewicht und Gestalt.

Doch wenn auch Jahrzehnte verrinnen,
ein Grundsatz bleibt unkorrigiert:
Nur der kann die Erde gewinnen,
der Zeit für die Sterne verliert.

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Das zum Thema Sprachforschung, wir wollen hier einfach nicht davon loskommen, die Feinheiten unserer Muttersprachen in ihrer ständigen Gegnüberstellung auseinander zu klamüsern.

VerTrachtetes Land

Knallig, vernarrt in Zierde. Diese Colindasänger (Colinda=Weihnachtslieder=Carols) hab ich während unseres Besuchs im Multiple -Sklerose -Tagescenter in der Vorweihnachtszeit zu deren Feriertag festgehalten. Wir Freiwilligen hatten ganz plötzlich noch einen kleinen Chor gebildet und uns professionel ein paar arienhafte rumänische Lieder angeeignet und sind dort dann auch aufgetreten, neben diesen traditionell gekleideten Chören.

Während einer Schneeballschlacht-Höhlenbesichtigungs-Wanderung am Silvestertag sind wir den Zweien begegnet. Ich vermute so ne Art „Betteln“-Gehen, wie wir früher zu Fasching um die Häuser gezogen sind. Und… ich konnte der antiquen Weste nicht widerstehen

Voorbereitungen zur Brustkrebs-Preventions- Kampagne werden vorangetrieben

Um geschäftig zu werden ist der Sonntag genau der Richtige.

Eine Kampagne macht sich nicht von allein, das Konzept allein bringt noch keine Teilnehmer, freiwillige Helfer und Sponsoren heran. Mit Unterstützung meiner französischen Brustkrebsbewusstseinskampagnenpartnerin konnte ich unserem treuen französischen Mitarbeiter erfolgreich in den Hintern treten.
Nachdem wir in der Zweierdiskussion am Samstag Slogan und Logo gefunden hatten, wollten wir auch ihn an unsren Ideen teilnehmen lassen und machten ein Meeting für den heutigen sonnigen Nachmittag aus, mit den Worten „Wir sind Realisten, leider, kein Gottesdienst für dich heute“. Denn bis zum Tag X und der folgenden Infowoche sinds noch 50 Tage und wir reden in Meetings, die in netten Cafés stattfinden, um den heißen Brei herum.
So entstand der begleitende Flyer heute, trotz einiger nervöser Missverständnisse … wir bemerkten, wie gut wir uns doch fachlich vorbereitet hatten. Für die nächste Zeit hat jeder ein sportliches Programm, an den Vorlieben und Fähigkeiten angelehnt. Präzise und aktiv werden wir endlich, das stimmt mich besser, denn ich ziehe Umsetzung dem ganzen Vorgeplenkelgerede vor!!!
Das Telefonat mit der Medizinstudentin der Uni, Verbindungsglied zu Professoren, ist mein Part morgen, sowohl, als auch das Regelwerk für unseren Crosslauf und das Volleyballturnier. Vielleicht gelingt mir noch ne kleine Planskizze vom Aufbau des Veranstaltungsortes.

Da hart gearbeitet, belohnen wir uns mit ner big Pizzataxipizza, bezahlt von allen Bani (Pfennigen) die wir im Haushalt zusammenkratzen konnten.